Kurs · Erzählperspektive
Ich oder auktorial?
Das erste Kapitel des Perlenkinds ist in der Ich-Form geschrieben. Eine Autorin, die es gelesen hat, riet mir zu einem auktorialen Erzähler. Seither denke ich darüber nach.
Eine Idee: Das erste und das letzte Kapitel bleiben in der Ich-Form, die Kapitel dazwischen erzähle ich auktorial. Was mich zögern lässt, sind die nachdenklichen Einschübe des älteren Ich. Ich mag sie sehr.
In diesen Einschüben sprechen zwei Zeiten gleichzeitig: der Einundzwanzigjährige, der am Tisch im Obala sitzt und nicht weiss, wohin ihn die Strömung trägt, und der ältere Mann, der es inzwischen weiss. Erst aus diesem Abstand wird sichtbar, wie aus einem Sandkorn eine Perle wird. Ein auktorialer Erzähler wüsste alles, aber er hätte es nicht selbst erlebt. Das ältere Ich erinnert sich, und Erinnern ist nie neutral: Es verklärt, es zweifelt, es korrigiert sich. Diese Unsicherheit möchte ich nicht verlieren.
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